
Gut Lachen haben sie z.Z., die bekannten Vertreter der klassisch/barocken Reitkunst. Laufen ihnen doch derzeit motivierte, hoffnungsfrohe Schüler die Stalltüren ein, um vom Wissen dieser Magier zu Pferde zu profitieren.
Noch vor ca. 15 Jahren mussten sich viele dieser namhaften und erfolgreichen Reitmeister vor den modernen Turnierreitern rechtfertigen und wegen ihrer Grundeinstellung und Ausbildungsmethodik in Frage stellen und belächeln lassen. Trotz dieser Anfeindungen und oft auch wirtschaftlicher Engpässe blieben sie ihrer Überzeugung treu und bildeten Pferde und Schüler weiter getreu der Lehren historischer Reitmeister aus. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Zum „Hype“ auf die klassische Reiterei haben ebenfalls viele rasante Pferdeshows, aber auch liebevoll inszenierte Privatvorführungen – oft aus eigener Tasche finanziert – beigetragen. Dies hat sich in den letzten Jahren zu wahren Zuschauermagneten entwickelt und lässt die moderne Reitwelt aufhorchen.
Die Zeit ist reif: Man ist bereit sich mit den Grundsätzen verstorbener Reitmeister zu befassen und legt den „Finger in die Wunde“ moderne Reit- und Ausbildungsmethodik. Der Blick wird geöffnet für Riegelei, falschen Knick im Hals und Trietzerei auf Turnieren und hinter verschlossenen Türen. Es besteht großes Interesse auszutesten wie sich modern gezogene Rechteckpferde durch Ausbildung nach klassischen Grundsätzen entwickeln. Man erkennt, dass klassisch ausgebildete Pferde dies mit Gesundheit und langjähriger Leistungsbereitschaft danken. Und diese Ausbildung beschränkt sich nicht auf spezielle Rassen. Die Spanne reicht vom Schetty an der Doppellonge, über das Fjordpferd mit korrekten Seitengängen, bis zum Kaltblut in der Passage. Wer jetzt denkt, mal eben schnell auf diesen Zug aufspringen zu können, um mit prunkvollem Rüschenkostüm oder wippenden Straußenfedern auf dem Dreispitz ebenfalls Lektionen der Hohen Schule zu reiten, wird schnell ernüchtert sein. Ohne langjähriges Training, Auseinandersetzung mit den Grundsätzen klassischer Ausbildung und der Bereitschaft alte Fehler zu erkennen und auszumerzen läuft nix, bzw. es läuft nicht gut: Immer noch sieht man auf ländlichen Barockturnieren prächtig gekleidete und wichtig aussehende Möchtegern-Guérinières auf strampelnden Pferden, die sich auf namhafte Ausbilder berufen, die diese angeblichen Eleven noch nie bei sich im Unterricht gesehen haben.
Eine gewisse Demut gehört eben schon zur klassischen Reiterei, die das Pferd als Partner und nicht als Sportobjekt sehen will. Sie stellt das Pferd in den Mittelpunkt und nicht den Reiter als Selbstdarsteller.
Quelle: W. Heine