Wohl jeder Pferdehalter und Hundeliebhaber träumt vom harmonischen Miteinander mit Pferd und Hund. Man möchte gemeinsam mit beiden tolle Ausritte erleben und die Natur erfahren.
Um aber zu so einem Dream-Trio zu werden, muss Grundlegendes vorher bedacht werden:
Ein Hund, der alle diese Kriterien gemeinsam erfüllt, ist ein Glücksfall und so selten wie die eierlegende Wollmilchsau.
Ein großer, schwerer Hund (Leonberger, Neufundländer, Berner Sennenhund etc.) tut sich auf langen Ausritten schwer. Besitzt er auch noch ein dickes Fell, setzt ihm in den Sommermonaten die Wärme stark zu.
Er kann aber dafür gut die Hofanlage bewachen, wirkt schon durch seine Größe respekteinflößend und hat oft ein gelassenes Wesen. Bei vielen Besuchern und lauten Kindern sind diese Lagerhunde oft geduldig; einem kurzen Ausritt sind sie auch nicht abgeneigt.
Die großen Windhundrassen, wie Greyhound, Barsoi, Lurcher etc. sind dagegen über die Jahrhunderte daraufhin selektiert, lange Strecken ermüdungsfrei zurückzulegen und brauchen dies sogar für ihr physiches und psychiches Wohlbefinden.
Nicht umsonst gönnen viele Windhundhalter ihren Lieblingen das regelmäßige Rennen auf der Rennbahn, wo sie bis 80 km/h erreichen können.Langen Wanderritten steht mit diesen eleganten Rassen also nichts im Weg.
Der hohe Jagdtrieb dieser Hunde darf allerdings nicht unterschätzt werden. Eine gute Erziehung ist unerlässlich, um keinen Ärger mit Jagdpächtern und Bauern zu bekommen.
Auch bei den anderen lauffreudigen Jagdhundrassen , wie Münsterländern, Bracken, Magyar Vizsla, Weimaranern etc, muss der Besitzer realistisch einschätzen, wie solide er sein Tier ausgebildet hat.
Dann steht tollen Ausritten mit diesen sportlichen und vom Fell meist pflegeleichten Rassen nichts im Weg.
Die heute sehr beliebten Hütehundrassen, wie Border Collie, Australian Shepherd, Australian Cattledog etc. sind als mittelgroße, lauffreudige Hunde ebenfalls gut zum Reitbegleiter geeignet.
Der Besitzer muss wissen, wie stark der Hütetrieb seines Hundes ausgeprägt ist.
Ein nicht erzogener Hütehund, der anfängt zu treiben oder die Pferde in die Beine zu zwicken, kann zu einer Gefahr werden. Aufgrund ihrer Aufgewecktheit und Intelligenz sind sie aber gut erziehbar und für viele andere sportlichen Aktivitäten und Kunststückchen mit und ohne Pferd zu begeistern.
Größenmäßig und charakterlich ebenfalls gut geeignete Begleithunde sind Mittel-/Riesenschnauzer, Schäferhunde, Dalmatiner, Kromfohrländer, Königspudel, mittelgroße Pinscher und Terrier und viele Mischlinge aus diesen Rassen.
Die bei vielen Dressurreitern beliebten niederläufigen Terriertypen, wie JackRussell etc. werden als liebenswerte Quirle auf der Reitanlage und dem Turnier geschätzt und kommen ihrer ursprünglichen Funktion, der Ratten-und Mäusejagd auch heutzutage noch gerne nach.
Wichtig ist bei der Auswahl des Hundes, egal welcher Rasse, dessen Bereitschaft sich unterzuordnen, unerschrocken zu sein und aggressionslos gegenüber Tier und Mensch.
Training
Nun kann man nicht einfach mit Hund und Pferd ins Gelände losreiten, ohne mit beiden ordentlich trainiert zu haben:
Beide Tiere müssen miteinander vertrau tgemacht wer. Sie müssen schon im Vorfeld ein entspanntes Verhältnis zueinander haben. Günstig ist es, mit Pferd und Hund gemeinsame Spaziergänge an der Leine zu üben.
Der Hund muss gelernt haben, leinenführig an verschiedenen Positionen zum Pferd zu laufen und auf Hör-und Handzeichen des Reiters zu reagieren.
Das Pferd muss geländesicher sein und auf Kommando ruhig zu stehen. Es muss auch gelassen dulden, dass der Hund neben oder vor ihm läuft oder sogar an ihm hochspringt, um sich an-ableinen zu lassen.
Der Reiter muss konsequent sein und Ruhe ausstrahlen. Er muss geländeerfahren und sicher einhändig reiten können.
Er gibt die Kommandos und hat die Überdicht über jede Situation. Er muss vorausschauend denken und reagieren, z.B., wenn in der Ferne Fußgänger/Radfahrer auftauchen etc..
Sinnvoll ist es , sich mental schon im Vorfeld als Rollenspiel zu überlegen, wie man in plötzlichen Gefahrensituationen ( Jogger kommt um die Ecke,... Auto rast vorbei, ...Hase springt plötzlich auf, etc...) reagieren könnte. Hat man sich den "worst case" erst einmal vorgestellt, fallen einem unterschiedliche Lösungsansätze ein.
Diese kann man dann in Ruhe mit beiden Tieren zu Hause "trocken" üben.
So wird man nicht von Panik überwältigt, hat die Situation mehr in der eigenen Hand und fühlt sich ihr nicht hilflos ausgeliefert.
Durch dieses Wissen wirkt der Reiter auch souverän und strahlt für Pferd und Hund Gelassenheit aus.
Rechtslage
Lt. Bundeswaldgesetz darf jeder in Deutschland den Wald zwecks Erholung aufsuchen - dies auch mit Pferd und Hund.
Jedes Bundesland hat aber seine ureigenen Bestimmungen , wie das abzulaufen hat.
Der Reiter muss sich deshalb vorher informieren, ob Maulkorbzwang für den Hund herrscht, ob sein Pferd eine Kennzeichnung tragen muss, wann in der Brutzeit Leinenzwang besteht und welche Wege als Reitwege genutzt werden dürfen.
Der Hundebesitzer darf seinen Hund höchsten bis zu eienr Entfernung von 30 Metern frei von sich entfernt laufen lassen. Es besteht die logische Begründung, dass der Halter über diese Distanz hinaus keinerlei Einfluss auf sein Tier hat. Jäger dürfen daher Hunde, die sich in einem größeren Radius frei bewegen ggfs. sogar abschießen!
Sicherheitsschutz
Eine geeignete wetterfeste Reitkleidung mit Helm und möglichst Schutzweste ist anzuraten und wird von vielen Versicherungen auch gefordert.
Reflektoren an Reitkleidung und Pferd (Klettreflektorenbänder) sorgen für Sichtbarkeit in der Dämmerung.
Versicherung
Auf einen ausreichenden Versicherungsschutz muss unbedingt geachtet werden.
Kein Tier ist hundertprozentig kontrollierbar und kann sich den Einwirkungen des Menschen entziehen. Daher muss für Pferd und Hunde jeweils eine Haftpflichtversicherung mit ausreichender Deckung abgeschlossen sein.
Werden alle diese Vorüberlegungen beachtet, steht harmonischen Ausritten mit Pferd und Hund nichts mehr im Weg.