
Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren ist Leonie Bramall aus Canada nach Deutschland gekommen. Zuerst sollten es eigentlich nur zwei, drei Jahre sein, um bei Reitmeister Johann Hinnemann im rheinischen Voerde eine weitere Förderung der Dressurreiterei zu erlangen.
Das Deutschland aber mittlerweile zu Leonies Heimat geworden ist, hat mit der Faszination Pferd zu tun.
Aber vorerst zurück nach Canada, wo Leonie bereits im jungen Alter nur Augen für die Pferde hatte. Gemeinsam mit ihrem etwas älteren Bruder spielte Leonie gerne an einem kleinen Bach am Rande Vancouvers, wo sie stets Gelegenheit hatte, Pferde in einem nicht weit entfernten Reitstall zu beobachten. Und wie es der Zufall so wollte, luden die Betreiber der Reitanlage Leonie zu einem Besuch ein. Hier entstand der erste persönliche Kontakt zu den Vierbeinern, der bis heute ununterbrochen angehalten hat.
Mit der Zeit kam Leonie immer öfter zu Besuch auf die Reitanlage und bekam so die Möglichkeit, die Pferde vorerst im Schritt reiten zu dürfen. Da Leonies Eltern als britische Einwanderer selbst dabei waren, ihre Existenz aufzubauen, war (vorerst) kein Geld für ein eigenes Pferd gegeben. Leonie begann nun selbst Hand anzulegen und verdiente sich durch Pferdepflege und Stall meisten ihre eigenen Gelegenheiten aufs Pferd zu kommen. Da es in Canada zu dieser Zeit nahezu nur ausgediente Rennpferde zu reiten gab und diese aufgrund ihrer Züchtung nicht die optimalen Voraussetzungen eines Dressur- und Springpferdes mit sich brachten, lernte Leonie hier schon die Ruhe, Kompromissbereitschaft und Flexibilität, mit jedem Pferd ein Ziel zu erreichen.
Einige Jahre später erzielte Leonie bereits viele Erfolge, Siege und Meisterschaften in der Dressur, im Springen und in der Vielseitigkeit bis hin zur Klasse S. Schon längst war zu diesem Zeitpunkt ihr besonderes Talent erkannt worden und so wurde sie stets zu Lehrgängen eingeladen, wo auch der Kontakt zum damaligen canadischen Dressurcoach Johann Hinnemann
entstanden.
Am 6. Dezember 1984 kam Leonie nach Deutschland zu Hinnemann, obwohl sie eigentlich einen Studienplatz für Tiermedizin in Canada hatte. Nicht ganz im Einverständnis mit ihrem Vater Leslie, aber mit der vollen Unterstützung der Mutter Mabs, startete Leonie ihren Trip nach Deutschland, um ihren Traum, einmal auf der Olympiade reiten zu können, erreichen zu können.
Ohne ein Wort deutsch sprechen zu können, ritt Leonie bei Hinnemann Pferde von jung bis alt. Eine besonders sensible und schwierige Stute war auch dabei. Eine Oldenburger Fuchsstute, dreijährig, die aber äußerst typvoll und mit sehr guten Bewegungen ausgestattet war. Keiner im Stall wollte und mochte diese Stute wirklich reiten und so wurde Leonie immer wieder dazu verdammt, diese Stute beritten zu machen. Allein das Trensen war eine besondere Herausforderung und ging anfangs nur in Einzelteilen, die am Kopf der Stute nacheinander zu einem Ganzen zusammen geführt wurden. Einige Monate
später erhielt Leonie die Möglichkeit, diese Stute zu kaufen. Mit Hilfe ihrer Eltern war diese so sensible Stute nun ihr Pferd und somit die einzige Option, ihrem Wunsch den Olympischen Spielen irgendwie näher zu kommen, und wurde zudem auf den Namen Gilbona getauft. Mit viel Geduld erlangte Leonie immer mehr das Vertrauen der Stute und konnte sie bis in die höchste
Dressurklasse, dem Grand Prix, ausbilden. Viele nationale und internationale Erfolge errang dieses Paar und auch das anfangs erträumte Ziel, die Olympischen Spiele wurde erreicht. Mit Gilbona startete Leonie für Canada sowohl in Barcelona wie auch in Atlanta und war zudem auch fester Bestandteil des Canadischen Teams anlässlich der Weltreiterspiele 1994 in Den Haag. Neben Gilbona hat Leonie viele weitere Pferde im Stall Hinnemann von klein auf bis in die Klasse "S" und den Grand Prix gefördert. Hierbei handelte es sich um Fallstaff, Ulexo, Winschtraum, Chopin, White Star, Ribot etc, um nur einige
zu nennen.
Aber auch auf Championaten landete Leonie immer wieder Erfolge. So wurde sie 1992 mit dem in Westfalen gekörten Fosbury (v. Foxtrott) Bundeschampion der fünfjährigen Dressurpferde. Auch der später für die USA auf den Olympsichen Spielen erfolgreiche Relevant (v. Rubinstein) zählt zu ihren Schülern. Den ehemaligen Oldenburger Siegerhengst Rohdiamant (v. Rubinstein) förderte Leonie zur S-Klasse und gewann zweimal mit diesem Hengst die Qualifikationen zum Nürnberger Burgpokal.
Insgesamt 15 Jahre war Leonie die rechte Hand Hinnemanns, bevor sie sich 2000 mit ihrem heutigen Partner Volker Dusche ins Gestüt Bonhomme nach Osnabrück aufmachte. Hier bekam sie neben dem Hannoveraner Hengst Fiorissimo, mit dem sie ebenfalls die ersten S-Siege einholte, den hessischen Hengst Boticello in Beritt. Innerhalb weniger Wochen qualifizierte sie diesen
charakterlich sehr eigenen Hengst für das Bundeschampionat und für die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde.
Im Jahrgang der Sechsjährigen schaffte es das Paar sogar bis ins Finale.
Im November 2002 gründeten Leonie Bramall und Volker Dusche dann ihre eigene Selbstständigkeit und GbR. Einen Dressurausbildungsstall mit eigener Zucht. Durchschnittlich 24 Pferde stehen in den Boxen der GbR, die sorgfältig und mit besonderer Fürsorge ausgebildet und an höhere Aufgaben herangeführt werden.
Ebenfalls kommen stets talentierte junge Reiter aus der ganzen Welt zu Leonie, um bei ihr diesen Weg der Ausbildung der Pferde live erleben und lernen zu können. Dass Leonie zudem ein außergewöhnliches Talent im Sattel ist, beweist sie Jahr für Jahr auf vielen Turnierplätzen. Ob in Reitpferde- und Dressurpferdeprüfungen oder in den Prüfungen der schweren Klasse oder im Grand Prix. Jahr für Jahr bringt Leonie die bei ihr eingestallten und auch selbst gezüchteten Pferde mit ihrem Bereiterteam hervor und stellt diese
hocherfolgreich auf den Turnieren vor. Ein Blick auf die Homepage von Leonie Bramall und Volker Dusche vermittelt eindrucksvoll, wie viele Pferde und vor allem Erfolge das Paar Jahr für Jahr hervorbringt.
Darüber hinaus arbeitet Leonie seit Jahren erfolgreich mit Heike Kemmer zusammen und hat so sicherlich ihren Anteil an den vielen nationalen und internationalen Erfolgen beigetragen. Ein Höhepunkt dieser Zusammenarbeit war sicherlich die Mannschaftsgold- und Bronzemedaille Heike Kemmers anlässlich der Olympischen Spiele in Hongkong (Peking) 2008.
www.bramall-dusche.de




